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Judasfeuer in Bayern

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern) hat in der vergangenen Woche eine 60-seitige Informationsbroschüre zum Thema „Judasfeuer“ veröffentlicht. Dazu der Landtagsabgeordnete Cemal Bozoğlu: „Ich begrüße diese wertvolle und kritische Recherchearbeit von RIAS Bayern zum Thema „Judasfeuer“. Gerade jetzt zur Osterzeit erhält das Thema eine besondere Relevanz, auch wenn aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr wohl kaum „Judasfeuer“ stattfinden werden.“

Auch in Teilen Bayerns werden noch heutzutage im Zeitraum vor Ostern sogenannte „Judasfeuer“ entzündet, ein Brauch, bei dem teilweise Puppen in Menschengestalt öffentlich verbrannt werden und der symbolischen „Bestrafung“ der biblischen Figur Judas Iskariot für seinen Verrat an Jesus Christus dienen. Judas Iskariot wurde dabei in der Vergangenheit in antijudaistischer Tradition christlicher Prägung mit »den Juden« identifiziert.

RIAS Bayern weist in ihrer Broschüre auf die antijüdische Tradition des „Judasfeuers“ hin und berichtet von einem Vorfall in der polnischen Kleinstadt Pruchnik, bei welchem am Karfreitag 2019 eine Puppe mit klar stereotypischen antisemitischen Vorstellungen wie Hakennase oder orthodox-jüdischer Kopfbedeckung und Schläfenlocken für diese symbolisch-rituelle „Bestrafung“ und dem Slogan „Judas 2019“ genutzt wurde. Auch im bayerischen Raum war das „Judasfeuer“ bis ins 20. Jahrhundert teilweise klar antijüdisch konnotiert und „Jud“ oder „Judenfeuer“ genannt. Auch wenn laut RIAS Bayern „Judasfeuer“ heutzutage keine antisemitische Konnotation mehr besitzen, gründen diese aber größtenteils auf derselben Tradition.

Cemal Bozoğlu hierzu: „Auch wenn in Bayern „Judasfeuer“ heutzutage keine antisemitischen Bezüge mehr aufweisen und den Veranstalter*innen und Teilnehmer*innen möglicherweise die historischen Hintergründe unbekannt sind, sollte sich von allen Seiten kritisch mit der Thematik „Judasfeuer“ und deren antijüdischer Tradition auseinandergesetzt werden.“

Diese „Judasfeuer“ konzentrieren sich heutzutage in Bayern auf die Gegend zwischen Donauwörth, Ingolstadt, Augsburg, Landsberg am Lech, München sowie in Teilen auf Unterfrankens mit allerlei regionalen Unterschieden. Für das Jahr 2019 sind beispielsweise allein im Landkreis Aichach-Friedberg 23 „Judasfeuer“ belegt, im Zeitraum 2010 bis 2019 werden rund 150 Orte im Freistaat aufgezählt, in denen mindestens einmal ein „Judasfeuer“ entzündet wurde. Meistens handelt es sich dabei nicht um kirchliche Veranstaltungen. Viel mehr werden sie von örtlichen Vereinen wie katholischen Burschenvereinen, Ortsverbänden der katholischen Landjugendbewegung, Trachtenvereinen, sogenannten „Bauwägen“ (Jugendzentren vor Ort), der örtlichen Feuerwehr oder sonstigen Traditions- und Jugendvereinen organisiert.

Die „Katholischen Landjugendbewegung Bayern (KLJB)“ sowie der „Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)“ reagierten auf die Recherche mit einer Pressemitteilung. Cemal Bozoğlu dazu: Ich begrüße die Reaktion der „Katholischen Landjugendbewegung Bayern (KLJB)“ sowie des „Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)“ ausdrücklich, welche sich mit einer kritischen Aufarbeitung dieser Tradition befassen und zukünftig „nur noch zum wertschätzenden Dialog der Religionen und Glaubensgemeinschaften passende Formen von Feuern um Ostern“ veranstalten wollen.“


Die Broschüre: „Das Judasfeuer – Ein antisemitischer Osterbrauch in Bayern“ steht zum Download bereit unter: https://report-antisemitism.de/documents/2020-04-02_rias-by_Judasfeuer-Osterbrauch.pdf

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